Geschichtlicher Rückblick

Die sozialdemokratische Notwendigkeit

An den Stätten ihres beruflichen Wirkens erkannten sie schon früh die Notwendigkeit, sich nicht nur bezüglich der vorherrschenden Arbeitsbedingungen für die Rechte der Arbeiter zusammenzuschließen und sich für Verbesserungen und gerechte Löhne einzusetzen, sondern diese Idee auch in der Heimat und ins dörfliche Geschehen hineinzutragen.
Sicherlich gab es schon vor 1906 Aktivitäten und Zusammenkünfte die sich in Richtung Sozialdemokratischer Partei bewegten. Sympathisanten und Gesinnungsgenossen trafen sich zum Gedanken- und Meinungsaustausch, so dass es durchaus möglich sein kann, dass die Bewegung der SPD in Unteröwisheim älter als 100 Jahre ist. Dazu fehlen aber konkrete Hinweise.
Da wir aber das Jahr 1906 als das Gründungsjahr von noch lebenden und geistig rüstigen Mitbürgern überliefert bekamen, nahmen wir dies zum Anlass, um im Jahr 2006 unser 100jähriges Jubiläum zu feiern.
Vor 100 Jahren waren die Bevölkerungs- und Einkommensstrukturen im ländlichen Raum, so auch in Unteröwisheim völlig andere als heute. Ein Großteil der Menschen ernährte sich aus der eigenen teilweise sehr kleinen Landwirtschaft und aus der Arbeit bei bäuerlichen Unternehmen.
Die Beschäftigungsmöglichkeiten in unserem Ort waren - abgesehen von der Landwirtschaft - sehr gering. Eine Zigarrenfabrik sowie eine Ziegelei und nur wenige Handwerksbetriebe boten Arbeitsplätze und damit auch Einkünfte für den Lebensunterhalt der kinderreichen Familien. Eine wichtige, aber in unserer Zeit kaum vorstellbare Einnahmequelle, waren alljährlich die Erlöse aus dem Verkauf der Kirschenernte.
Die tagsüber gepflückten Kirschen wurden noch am selben Abend auf Pferdewagen verladen, um sie über Nacht an die damaligen Märkte in Mannheim und Pforzheim zu bringen, wo die ganze Ladung den Händlern übergeben werden konnte. Oftmals mussten die Kirschen auch selbst auf dem Markt angeboten und verkauft werden.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde es auch in der Parteienlandschaft etwas ruhiger. Ein Großteil der Männer der ersten Stunden wurde an die Front gerufen. Viele kamen nicht mehr in ihre Heimat zurück, sie mussten ihr Leben dem Vaterland opfern.
Die Gründer der Partei, die das Kriegsgeschehen überlebten, und teilweise als Kriegsgefangene wieder in ihre Heimat entlassen wurden, begannen, mit der jüngeren Generation die Sozialdemokratische Partei in Unteröwisheim wieder zu mobilisieren. Die erste Versammlung die nach dem Kriege einberufen wurde fand 1920 im Gasthaus zur Traube statt, bei der Fritz Braun zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.
In den darauf folgenden Jahren fanden immer wieder interessierte Mitmenschen den Weg zur SPD.
Aus dem bestehenden Arbeiterturnverein, dessen Mitglieder zu einem Großteil sozialdemokratisch orientiert waren, entstand im Jahre 1925 zusammen mit Sozialdemokraten und einigen wenigen Kommunisten der Arbeitergesangverein, der seine Liedervorträge als gemischter Chor vortrug.
Der aus Mannheim stammende Lehrer Häffner, der an der Unteröwisheimer Volksschule seinen Dienst versah, gründete 1927 zusammen mit jungen Frauen und Männern die Sozialdemokratische Arbeiterjugend, SAJ genannt. Ihre Zusammenkünfte fanden im damaligen Saal des Gasthauses zum Schwanen statt, wo als Quelle geistiger Erbauung neben politischen Diskussionen auch gesellschaftliches und kulturelles Leben gepflegt wurde.
Dem Wirken der Sozialdemokraten über die kommunalpolitischer Ebene die Lebensverhältnisse der Einwohner zu verbessern, sowie den kulturellen Beiträgen des Arbeitergesangvereins und den Spielen und der Unterhaltung der SAJ, waren nur wenige Jahre beschieden.
Ab dem Jahr 1933 wurde durch die Machthaber des Dritten Reiches die gesamte Bewegung gewaltsam beendet. Sänger und Mitglieder des Arbeitergesangvereins erzählten, dass sie über die bevorstehende Beschlagnahme ihres Vereinsvermögens rechtzeitig einen gut gemeinten Wink bekamen.
Kurz entschlossen wurden interne Vereinsfeste organisiert, bei denen die Mitglieder den vorhandenen Geldbestand selbst umgesetzt haben, um ihn so vor dem Zugriff der SA zu retten.
Die Protokollbücher und Unterlagen von 1906 bis 1933 wurden - soweit sie nicht bei Hausdurchsuchungen in die Hände der SA fielen - aus Angst vor Repressalien von den Mitgliedern selbst vernichtet.
Im Laufe des Jahres 1933 wurden alle kommunalen Mandatsträger ob Sozialdemokraten, Kommunisten oder Zentrum - soweit sie nicht schon freiwillig ihre Mandate niedergelegt hatten - von den Nationalsozialisten aus ihren Ämtern verdrängt. Nach diesen Aktionen der NSDAP war das Großdeutsche Reich auf Nationalsozialistischen Kurs geschaltet.
Am Ende dieser Schreckensherrschaft stand ein völlig zerstörtes Deutschland, so wie wir es aus der jüngsten Geschichte kennen.


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