Geschichtlicher Rückblick

Der Neubeginn nach 1945

Der sehr schwere Neuanfang nach 1945, an den sich sicherlich noch viele lebende Zeitgenossen erinnern können, war durch den notwendigen Wiederaufbau geprägt. Das politische Leben kam langsam wieder in Gang.
Nach den leidvollen Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit, war es das wichtigste Ziel, ein freiheitlich demokratisches Gemeinwesen zu schaffen. Die Mitverantwortung dafür lag bei den Sozialdemokraten in den Händen von Christian Dieterle, Heinrich Höpfinger und Fritz Lepp, sozusagen den Männern der ersten Stunde im Gemeinderat.
Ende 1946 hat sich der SPD-Ortsverein wieder konstituiert, 1. Vorstand war Rudolf Pflaum. Von den 10 Gemeinderatssitzen erhielt die SPD im Jahre 1947 stattliche vier Mandate. Eine kontinuierliche Entwicklung des SPD-Ortsvereins begann in den Jahren 1953/54. Die Mitgliederzahl stieg ab diesem Zeitpunkt stetig an.
Die konstruktive kommunalpolitische Arbeit der sozialdemokratischen Mandatsträger und ihre konsequente Zielsetzung, die Lebensverhältnisse gerade im ländlichen Raum zu verbessern, ist bei den Wahlberechtigten in Unteröwisheim auf sehr große Akzeptanz gestoßen und wurde bei Wahlen immer wieder honoriert.
Willi de Bortoli wurde 1959 bei den Kommunalwahlen mit der höchsten Stimmenzahl in den Gemeinderat gewählt.
Bei der am 10. Dezember 1962 erfolgten Wahl des Bürgermeisters erhielt Willi de Bortoli das Vertrauen einer großen Mehrheit der Bevölkerung und wurde zum Bürgermeister gewählt. Damit konnte die SPD in Unteröwisheim den bis dahin einmaligen und größten Erfolg in der Parteigeschichte verbuchen.
Unser Parteifreund de Bortoli, gleichzeitig auch Kreisrat, setzte schon gleich zu Beginn seiner ersten Amtszeit wichtige kommunalpolitische Akzente. Die Verbesserung der Infrastruktur und der Daseinsvorsorge in unserer Stadt wurden beharrlich und zielgerichtet verfolgt.
In diese Ära fallen beispielsweise der Neubau einer Schule, Zweckflurbereinigungen der Kanal-, Wege- und Straßenbau sowie die Erschießung von Baugebieten. Das gute und einvernehmliche Zusammenwirken des Bürgermeisters mit allen Kräften in unserer Stadt, insbesondere mit den Ortsvereinen, entwickelte ein auf Vertrauen und gegenseitige Achtung gestütztes blühendes Gemeinwesen.
Mit dem Ablauf der Amtszeit im Jahre 1969 schenkten die Mitbürgerinnen und Mitbürger Willi de Bortoli erneut mit überwältigender Mehrheit das Vertrauen um sein weiteres Wirken als Bürgermeister fortsetzen zu können.
Parallel dazu entwickelte der SPD Ortsverein in dieser Zeit sehr große Aktivitäten.
Alle Wahlen - ob zum Gemeinderat, zum Landtag von Baden-Württemberg oder zum Deutschen Bundestag - ergaben in Unteröwisheim sichere Mehrheiten für die Sozialdemokraten.
Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass der damalige Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Müller ab dem 9. November 1961 zum Landrat des Landkreises Bruchsal gewählt wurde.
Dr. Müller hat die Entwicklung der Kreisgemeinden sehr positiv begleitet und unterstützt.
Bei den in diesem Zeitabschnitt liegenden Wahlen zum Landtag von Baden Württemberg konnte Dr. Müller, dank auch der gut geführten Wahlkämpfe durch unseren Ortsverein, stabile Stimmenmehrheiten erringen.
Das gute, persönlich geprägte Verhältnis des Landrates Dr. Müller und des Bürgermeisters Willi de Bortoli war der Entwicklung von Unteröwisheim sehr zuträglich.
Der Ortsverein selbst setzte in dieser Zeit auch wichtige gesellschaftliche Akzente.
Zu nennen sind hier die sehr gut besuchten Maifeiern im Saale des Gasthauses zum Bahnhof, bei denen im jeweiligen Wechsel der Vorsitzende des DGB Kreises Bruchsal, der Kollege Viktor Vogel, oder der erste Bevollmächtigte der IG Metall Bretten Bruchsal, Kollege Gerhard Holler, beides auch Mitglieder der SPD- Fraktion des Bruchsaler Gemeinderates, als Gäste anwesend waren.
Auch die kurzweiligen Winterfeiern im Saale des Gasthauses zur Kanne und die gelungenen Ausflüge, die der Ortsverein organisiert hatte, sollen nicht unerwähnt bleiben. Dank des doch sehr großen Kreises an Sympathisanten zur SPD waren diese Veranstaltungen immer ausgebucht.

Als weitere Höhepunkte der jüngeren Geschichte sind die folgenden Ereignisse zu nennen:
Bundestagswahlkampf 1965.
Hans Jürgen Wischnewski, stellvertretender Vorsitzender der SPD, kam auf Einladung unseres Bundestagskandidaten Horst Seefeld nach Unteröwisheim und sprach im überfüllten Saale des Gasthauses zum Bahnhof.
Horst Seefeld führte in seinen Wahlkreis einen Wahlkampf der bis an die eigenen Leistungsgrenzen reichte.
Dabei wurde er von den Jungsozialisten in Unteröwisheim unter Bernhard de Bortoli nach Kräften begleitet und unterstützt.

Große politische Veränderungen kamen ab 1966 auch auf den Ortsverein zu. Die SPD wurde erstmals in der noch jungen Geschichte der Bundesrepublik Regierungspartei.
Zur großen Freude der Parteimitglieder bildeten SPD und CDU die erste große Koalition, Willy Brandt wird Außenminister und Vizekanzler, Dr. Gustav Heinemann wird 1969 zum 3. Bundespräsidenten der Bundesrepublik gewählt. Im selben Jahr kommt es zur Bildung der sozial-liberalen Koalition zwischen der SPD und der FDP. Willy Brandt wird Bundeskanzler. Horst Seefeld zieht für den Wahlkreis 183 in den 6. Deutschen Bundestag ein.
Die von Horst Seefeld entwickelten Aktivitäten und Initiativen sowie die gute und intensive Betreuung seines Wahlkreises führte zu großer Anerkennung seiner geleistete Arbeit. Nicht ohne Grund wurde Horst Seefeld bei der ersten Wahl zum Europäischen Parlament nach Straßburg entsandt.
In Anerkennung seines parlamentarischen Wirkens wurde Seefeld zum Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes gewählt.
In den Jahren 1968 bis 1972 übernahmen im 5. Stuttgarter Landtag die Sozialdemokraten in einer großen Koalition Regierungsverantwortung. Walter Krause aus dem Wahlkreis Mannheim wurde Innenminister des Landes Baden Württemberg.
Er galt als der Architekt der in dieser Zeit erfolgten Kreis- und Kommunalreform in unserem Lande.
Ausfluss dieser Reform war im Jahre 1972 die Bildung Stadt Kraichtal aus den bis dato neun selbständigen Einzelgemeinden. Aus der Sicht der Sozialdemokraten ist der Anfang dieser Epoche für unsere Partei nicht mehr ganz so positiv verlaufen. Bei der Landtagswahl 1972 musste die SPD große Stimmenverluste hinnehmen. Bei den ersten Kommunalwahlen der neuen Stadt Kraichtal waren die Sozialdemokraten auch in ihrer Hochburg Unteröwisheim nicht mehr so erfolgreich wie bisher.

Der Deutsche Bundestag wählte 1974 Helmut Schmidt zum Bundeskanzler. In diesem Amt wurde er 1980 nach erfolgreicher Wahl bestätigt.
1980 wird der Kreisvorsitzende der SPD Karlsruhe Land, Peter Wintruff, in den 8. Landtag von Baden Württemberg gewählt.

Bei der Wahl zum Deutschen Bundestag im Jahr 1980 hat für unseren Wahlkreis die Fraktionsvorsitzende der Karlsruher SPD Gemeinderatsfraktion, Gerlinde Hämmerle, kandidiert und ein respektables Wahlergebnis erreicht. Wir erinnern uns noch gerne an ihren Wahlslogan, der auf einem Kugelschreiber, einem Miniaturhammer stand: „Mit Hämmerle für Schmidt“.
Die Sozialdemokraten führten mit dem amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt an der Spitze einen erfolgreichen Wahlkampf.
Frau Hämmerle wurde nach ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete von der Landesregierung Baden- Württemberg zur Regierungspräsidentin des Regierungsbezirkes Karlsruhe bestellt. Dieses Amt bekleidete sie mit viel Erfolg bis zum Eintritt in den Ruhestand.

Auch in der jüngsten Geschichte blieb der Ortsverein politisch sehr aktiv.
Neben den immer wiederkehrenden Wahlen mit allen ihren Begleitveranstaltungen wird jährlich ein viel beachtetes und von der Bevölkerung gut besuchtes Sommerfest durchgeführt.
Die Vorstandschaft ist deutlich verjüngt. Der Ortsvereinsvorsitzende Kai de Bortoli, ein sehr rühriger junger Mann, hat einen zu Gunsten hilfsbedürftiger Menschen durchgeführten Adventsmarkt ins Leben gerufen.
Öffentliche Informationsveranstaltungen zu kommunalpolitisch wichtigen Themen oder in jüngster Zeit die von Mitgliedern des Ortsvereins vorgenommene Sanierung des Ortsbild prägenden Badbrunnen aus dem Jahre 1615 seien hierzu genannt.

 

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